Wohin geht die Entwicklung des Sozialstaates: Diözesancaritasdirektor Dominique Hopfenzitz (links) und Referent Dr. Markus Mempel im GesprächFoto: Michael Bönte, Caritasverband für die Diözese Münster
Bistum Münster (cpm). "Ein dauerhaftes Defizit zwingt uns zu strukturellen Entscheidungen." Das hat Dr. Markus Mempel vom Deutschen Landkreistag (DLT) mit Blick auf die Entwicklung der Ausgaben für soziale Leistungen in Deutschland betont. Nur so könne die Zukunft eines Sozialstaates gesichert werden. "Denn dazu braucht es Leistungsfähigkeit, Verlässlichkeit und kommunale Umsetzbarkeit." Mempel sprach bei der jährlichen Delegiertenversammlung des Caritasverbandes für die Diözese Münster. 70 Delegierte aus den Ortsverbänden und Fachverbänden sowie den Diözesanarbeitsgemeinschaften waren dazu nach Münster gekommen.
Unter dem Titel "Sozialstaat unter Finanzdruck" stellte Mempel die zu erwartenden Sozialausgaben den kommunalen Einnahmen gegenüber. Zudem erläuterte er die Ergebnisse der Kommission zur Sozialstaatsreform, die im Januar 2026 ihren "Abschlussbericht zur Modernisierung des Sozialstaates" vorgelegt hatte. "Es braucht ein einheitliches Sozialleistungssystem, eine sinnvolle Pauschalisierung von Leistungen und eine Digitalisierung, die zusammen mit verständlichem Recht und funktionierenden Datenflüssen wirkt", hob der Leiter des Referats "Zweites Soziales Gesetzbuch - Leistungsrecht und Wohngeld" im DLT einige Ergebnisse der Kommission heraus.
Diözesancaritasdirektor Dominique Hopfenzitz bedankte sich bei den Delegierten, die sich "mit großem verbandlichem Engagement in unseren Gremien und Arbeitsgemeinschaften" einbrächten. Ihr Einsatz präge das Miteinander innerhalb der Caritas. "Hier kommen die Erfahrungen aus Diensten und Einrichtungen, die unterschiedlichen Perspektiven unserer Mitglieder und die fachliche Arbeit des Diözesancaritasverbandes zusammen."
Dabei gehe es um weit mehr als um den fachlichen Austausch, sagte Hopfenzitz. Die Dienste, Arbeitsgemeinschaften und Einrichtungen seien ein "wichtiges Scharnier zwischen der Praxis vor Ort und unserer verbandspolitischen, sozialpolitischen, kirchenpolitischen und gesellschaftspolitischen Arbeit". So sei es möglich, Entwicklungen in der Praxis frühzeitig wahrzunehmen, unterschiedliche Interessen zusammenzuführen und gegenüber Politik, Kirche und Öffentlichkeit mit einer fachlich fundierten und gemeinsamen Stimme aufzutreten.
Neben der inhaltlichen Auseinandersetzung mit den Sozialstaatsreformen standen Berichte aus den Gremien und Tätigkeiten in den vergangenen zwölf Monaten auf der Tagesordnung. Dabei wurde der Caritasrat als wichtiges Aufsichtsorgan des Diözesancaritasverband entlastet.