Barbara Kurlemann, Geschäftsführerin des Sozialdienstes katholischer Frauen Ibbenbüren, und Diözesancaritasdirektor Dominique HopfenzitzFoto: Carolin Kronenburg / Caritas im Bistum Münster
Münster (cpm) "Jedes fünfte Kind in Deutschland ist armutsgefährdet. Deutschland kann und sollte es sich nicht leisten, einem Fünftel der nachwachsenden Generation die Zukunftschancen zu verbauen." Das hat Diözesancaritasdirektor Dominique Hopfenzitz im Rahmen der Delegiertenversammlung der Caritas im Bistum Münster am 15. September betont. Die gemeinsame Linie der Bundesregierung für die Kindergrundsicherung sei mehr als überfällig gewesen. Die Hoffnung auf eine wirksame Bekämpfung der Kinderarmut sei mit den bereitgestellten 2,4 Milliarden Euro aber in weite Ferne gerückt. Denn ein erheblicher Anteil der Mittel werde in Verwaltung und Digitalisierung fließen. Für die Kinder blieben am Ende nur rund 1,88 Milliarden Euro - viel zu wenig für eine wirksame Armutsbekämpfung.
So begrüßten die rund 100 Caritas-Delegierten zwar die geplante Bündelung der familienpolitischen Leistungen und die vereinfachte Beantragung über den geplanten Familienservice. Sie forderten aber insbesondere von den Bundestagsabgeordneten aus dem Bistum Münster, sich erstens für eine wirklich armutsverhindernde Kindergrundsicherung einzusetzen und die tatsächliche Umsetzung des erleichterten Zugangs kritisch zu beobachten. Denn der Referentenentwurf geht von einer stetigen Steigerung der Inanspruchnahme von 47 Prozent im Startjahr 2025 bis 80 Prozent in 2028 aus. Das ist laut Hopfenzitz nicht nur wenig ambitioniert, "die Bundesregierung plant hier sogar ein, dass Kinder weiterhin armutsgefährdet bleiben".
Zweitens seien flächendeckende Beratungsstellen wichtig, die bei der Antragstellung unterstützen und (Mehr-)Bedarfe ermitteln sowie die Möglichkeit einer digitalen Antragstellung. Und drittens müsse mit der Kindergrundsicherung ein wirklich auskömmlich berechnetes, soziokulturelles Existenzminimum für Kinder gesichert werden, das die besonderen Bedarfe berücksichtigt. Denn Kinder in Armut seien oft von sozialer Teilhabe ausgeschlossen, wenn sie sich beispielsweise den gelegentlichen Kinobesuch mit Freunden, das gemeinsame Eisessen oder das Geschenk für den Kindergeburtstag nicht leisten können.
"Die Folgekosten von Kinderarmut dürften wesentlich höher liegen als die Kosten der Kindergrundsicherung: mehr Sozialausgaben, weniger Steuereinnahmen, potentielle Fachkräfte fehlen, weniger freiwilliges Engagement und weniger politische Teilhabe", sagte Barbara Kurlemann im Namen der Vertreterinnen und Vertreter der örtlichen Caritas- und Fachverbände sowie der Träger katholischer, sozialer Einrichtungen. "Wir werden genau darauf achten, ob die Grundsicherung Kinder und Jugendliche aus der Armut holt und zu mehr Chancengleichheit führt", betonte die Geschäftsführerin des Sozialdienstes katholischer Frauen Ibbenbüren sowie Mitglied der Diözesanarbeitsgemeinschaft "Integration durch Arbeit" und forderte: "Das Geld muss bei den Kindern ankommen!"
041-2023 (ck) 15. September 2023